[protected email address]
+43 (0) 2682 66 878
+43 (0) 2682 66 878 15
Johann Permayer-Straße 2a
        A-7000 Eisenstadt


Jagdstatistik Burgenland

 

 

Burgenländische Jagdstatistik

 

 

Jagdstrecke im Vergleich zum Vorjahr / Differenz zum Vorjahr 

 

 

Schalenwildstrecken

 

 

Rotwild

Im Jagdjahr 2017 betrug die Rotwildstrecke (Erlegtes Wild plus Fallwild und Straßentod) insgesamt 1.257 Stück, das bedeutet einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 96 Stück. Die gesamte Abschusserfüllung betrug 85 %, wobei es innerhalb der Geschlechterklassen deutliche Unterschiede gab. Die Hirsche der Klasse I wurden zu 60 % erfüllt, es waren 55 Stück laut Abschussplan freigegeben, es wurden im Land allerdings nur 31 Stück erlegt. In der Klasse II waren 51 Stück frei, erlegt wurden 48 und mit 9 Stück Fallwild wurde diese Klasse im Land mit 112 % übererfüllt. Die Klasse III wurde zu 100 % erfüllt. Die Tiere wurden mit 83 % erfüllt, die Nachwuchsstücke mit 77 %.

Je nach Witterung und Bejagungssituation in den Nachbarländern, vor allem Ungarn, kommt es teilweise zu vermehrten und oftmals plötzlichen Einwechseln von Rotwild ins Burgenland. Mit der Änderung im Jagdgesetz, wo im begründeten Bedarfsfall das Jagdschutzorgan drei Nachwuchsstücke erlegen kann (nachfolgende schriftliche Meldung bei der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde), ist nun ein rasches Eingreifen möglich. Die Erfahrungen der nächsten Jahre werden zeigen, ob lokal die Wildschadenssituation verbessert werden kann.

 
Rehwild

Beim Rehwild wurden im Jagdjahr 2017 insgesamt 21.621 Stück erlegt, das ist ein leichter Rückgang von 57 Stück. Die Rehwildstrecke bewegt sich seit 2007 auf annähernd gleich hohen Niveau von über 21.000 Stück. Nach wie vor ein Problem ist die generalisierte Umlegung der Ergebnisse des Wildeinflussmonitorings auf den gesamten Bezirk obwohl in den Veröffentlichungen dazu eine differenzierte Betrachtung pro Jagdrevier aufgrund der unterschiedlichen geographischen Gegebenheiten der Jagdreviere gefordert wird. Die rechnerische Abschussvorgabe von 8 Stück auf 100 ha (oder mehr) ist vielerorts schwer zu erfüllen.

Mit einem Fallwildanteil von knapp 25 % an der Gesamtstrecke verlieren wir immer noch viel Wild auf den Straßen des Landes. Abgesehen vom entstehenden Tierleid und dem Sachschaden am Auto geht auch noch wertvolles Wildbret verloren.

 
Damwild

Das Damwild spielt im Burgenland eine untergeordnete Rolle und ist lokal auf einige kleine Bestände beschränkt. Die Strecke betrug im Jagdjahr 2017 insgesamt 99 Stück, das ist ein Rückgang von 23 Stück. Im heurigen Jahr wurden rund um die Hälfte weniger Kälber erlegt als im Jahr 2016. Über die Gründe kann aktuell nur spekuliert werden, ein Einfluss von Goldschakal und Wolf ist denkbar.

 
Muffelwild

Ähnlich wie beim Damwild beschränkt sich die Bejagung des Muffelwildes auf einige lokale Vorkommen im Burgenland. Die Strecke verringerte sich im Jagdjahr 2017 auf 207 Stück. Auffallend auch hier der Rückgang in der Strecke bei den Nachwuchsstücken.

Wurden im Jagdjahr 2016 noch insgesamt 66 Lämmer im Land erlegt, waren es im Jahr 2017 insgesamt 46 Stück. Vor allem im Jagdbezirk Eisenstadt wird über einen Rückgang der Lämmer berichtet. Ein Einfluss von Goldschakal und Wolf kann vermutet werden, da diese beiden Großräuber auch in den Muffelgebieten vorkommt.

Ob mit oder ohne Wolf, die Abschusserfüllung bei den Lämmern bewegt sich nach wie vor unter 50 %. Seitens der Bezirksverwaltungsbehörde sollte das Vorschießen von weiblichen Stücken bei der Bewirtschaftung des Muffelwildes auch vor dem Hintergrund der nachgewiesen Großräuber überdacht werden.

 
Schwarzwild

Nach einem kontinuierlichen Rückgang der Schwarzwildstrecke der letzten 5 Jahre zeigt sich im Jagdjahr 2017 wieder ein deutlicher Anstieg auf 8.371 Stück. Das ist eine Erhöhung der Strecke um 1.520 Stück.

Eine intensive aber maßvolle und umsichtige Bejagung des Schwarzwildes ist in Anbetracht der herannahenden Afrikanischen Schweinepest unabdingbar. Die Dichte des Bestandes soll auf niedriges Niveau gebracht bzw. gehalten werden, ohne allerdings die Rotten durch unvorsichtige Bejagung zu versprengen. Ein Eingriff in die Klasse der 2- bis 3jährigen Bachen (Muttertierschutz beachten! Keine säugende Bache) ist aufgrund des zu erwartenden Lebensproduktionserfolges zu empfehlen.

 

 

 

 

 Niederwildstrecken

 

 

Raubwild- und Rabenvögelstrecken

 

 

 

 

 

Kommentar zum Niederwild

 

Im Jahr 2017 konnte der Abwärtstrend beim Niederwild, zumindest beim Feldhasen, ein wenig eingebremst werden. Die Strecken beim Feldhasen waren nahezu gleich wie im Jahr 2016, beim Flugwild (Fasan, Rebhuhn) hingegen gingen die Strecken (wieder) relativ stark zurück. Die Interpretation der Streckenlisten, vor allem der Flugwildstrecken, ist oft nicht einfach, doch es lassen sich über die Jahre klare Trends erkennen.

 

Interessant ist, dass es in vielen Bezirken doch noch „Niederwild-Hotspots“ gibt, die für die heutige Zeit noch beachtliche Strecken zustande bringen. Diese Reviere sind vielleicht auch von Natur aus begünstigt (z.B. trockene, sandige Böden), aber zumeist wurden von den Revierinhabern dieser Reviere viele geeignete Hegemaßnahmen für das Niederwild getroffen. Das heißt, auch auf Revierebene kann man mit entsprechendem Engagement auch heute noch einiges umsetzen und zustande bringen.

 

Die Lage beim Niederwild muss weiterhin als sehr ernst bezeichnet werden, es wäre hoch an der Zeit wirkungsvolle Maßnahmen zu setzen, um den natürlichen Wildbestand der wichtigsten Niederwildarten zu erhalten und zu fördern. Viele Faktoren kann der Jäger leider nicht oder nur bedingt beeinflussen (z.B. Lebensraumverlust, Klima, Krankheiten), weshalb man sich auf jene Faktoren konzentrieren sollte, wo man tatsächlich einiges bewirken kann: die Nutzung aller Möglichkeiten zur Verbesserung des Lebensraumes (z.B. ÖPUL-Programm, neues Jagdgesetz), Hasenzählungen und intensive Raubwildregulierung seien hier als wichtigste Maßnahmen genannt.

Erst wenn die Besätze erhalten und entsprechend aufgebaut sind, kann wieder an eine nachhaltige Bewirtschaftung (= Bejagung) gedacht werden. Dies kann in manchen Revieren aufgrund günstiger örtlichen Gegebenheiten und geeigneter Hegemaßnahmen sehr rasch gehen. Reviere mit weniger guten Voraussetzungen und mangelndem Engagement sollten sich auf einen längeren Zeitraum einstellen.

  

DI Dr. Leopold Cecil

Niederwildreferent des BLJV